Ausflug ins Blaue
Gitti Müller
Gitti Müller
Ins Blaue fahren heißt, Begrenzungen fallen zu lassen, die Komfortzone zu verlassen und das Unvorhersehbare zu akzeptieren. Sich einlassen. Den Moment spüren. Den Prozess annehmen. Frei sein. Leben eben. Beim Malen passiert genau das. Ich beginne die Reise vor einer weißen Leinwand – ohne Entwurf, ohne Plan, ein Konzert ohne Komposition. Das ist herausfordernd. Langsam baut sich Schicht um Schicht auf. Manches scheint durch, anderes bleibt verborgen. An einigen Stellen baue ich Schichten wieder ab: durch Schmirgeln, Kratzen, Schneiden, Reiben. Friktion. Etwas freilegen, das gestern war. Aber immer im Moment bleibend.
Das ist der Prozess. Das ist Leben.
Gitti Müller, 1956 in Köln geboren, lebte als junge Erwachsene in Paris und Südamerika. Sie studierte Anthropologie und forschte in Bolivien über die Aymara und deren Wahrnehmung von Farbe im Alltag – Themen, denen sie später auch als Filmemacherin und Autorin nachging. Für ihre Dokumentationen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.
Die Auseinandersetzung mit dem bewegten Bild markiert den Beginn ihrer künstlerischen Praxis. Das Thema Farbe, das bereits in ihren frühen Arbeiten am Titicacasee eine zentrale Rolle spielte, prägt ihre Arbeit bis heute. Sie lebt als bildende Künstlerin in Berlin.
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